individualisierung
einblicke in eine neue architektur
 
In den zwanziger Jahren wurde der Bau und die Ausstattung von Wohnhäusern zur wichtigsten Einnahmequelle Le Corbusiers uns seiner Firma. Dabei setzte er sich, neben all den Abstraktionen und der Rhetorik über Typenwohnungen und Typengegenstände, die sein Denken in L'Art décoratif d'aujourd'hui und beim Esprit-Nouveau-Pavillon bestimmten, nun auch mit den praktischen Gegebenheiten konkreter Grundstücke und den Bedürfnissen individueller Kunden auseinander. Soweit es ging, behielt er sich die Position des verantwortlichen Architekten vor (manche mögen ihn eher als unverantwortlich empfunden haben, da die meisten seiner Projekte immer wieder von Verzögerungen, technischen Schwierigkeiten und Kostenüberschreitungen verfolgt wurden), wobei ihm die Bauherren nicht nur für die Gestalt ihrer Häuser, sondern auch für die passenden Interieurs und Möblierungen dankbar waren. Zu den willigsten und bewunderndsten Kunden Le Corbusiers gehörte der junge Schweizer Bankier Raoul La Roche; er überließ dem Architekten nicht nur die Gestaltung seiner einzigartigen Wohnhäuser in Paris, sondern auch den Aufbau einer beispielhaften Sammlung von kubistischen und puristischen Gemälden. Zuletzt war er bereit, fast jeden Einfall seines Architekten und fast jede Unannehmlichkeit zu akzeptieren, um einen Kontakt aufrechtzuerhalten, der ihm dieses "Gedicht aus Mauern" beschert hatte, in dem er wohnen durfte. Auf der anderen Seite gab es Leute wie das Ehepaar Ternisien, er Musiker, sie Malerin, die im Unfrieden von der Firma Le Corbusier schieden und später verächtlich abgeschrieben wurden: "Das Problem, mit dem sie uns immer entschieden konfrontiert hatten, war, dass alles [...] überflüssige weggelassen werden sollte", erläuterte Le Corbusier einem Rechtsanwalt im Hinblick auf die Villa Ternisien in Boulogne, als die durch die finanziellen Auseinandersetzungen ausgelösten Rechtsstreitigkeiten ihren Gang nahmen: "Aber als das Haus einmal fertig war, füllten unsere Bauherren es mit einem unglaublichen Krimskrams, der nichts mehr mit dem Haus zu tun hatte, übrigens auch nichts mit unserer Architektur."
 
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