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Generell hatte Le Corbusier die Details der Vollendung seiner Bauten der Obhut Pierre Jeannerets überlassen, doch ging die Verantwortung für Interieurs und Möblierungen ab Herbst 1927 auf Charlotte Perriand über, die junge Mitarbeiterin, die eigens zu diesem Zweck eingestellt worden war. Die erste Begegnung, als die attraktive und sprühende junge Dame, fasziniert von den Schriften Le Corbusiers, zum ersten Mal in seinem Atelier erschien und um Arbeit bat, verlief ungünstig, wie Charlotte Perriand in ihrer Autobiographie erzählt:
 
Eine Mappe mit Zeichnungen unter dem Arm, sah ich mich eines Nachmittags der dicken Hornbrille Le Corbusiers gegenüber. Die strengen Räumlichkeiten wirkten einschüchternd; seine Begrüßung war kühl. "Was wollen Sie?" fragte er, die Augen hinter den Gläsern versteckt. "Bei ihnen arbeiten!" Er blätterte rasch meine Zeichnungen durch. "Wir besticken hier keine Kissen", erwiderte er und wies mir die Tür. Ich hinterließ für alle Fälle meine Adresse und bat ihn, sich meine Ausstellung im Salon d'Automne anzusehen. Ich rechnete nicht damit, ihn jemals wiederzusehen, und verabschiedete mich, fast erleichtert. Man kann schwerlich sagen, dass mein Charme bei ihm gewirkt hätte.
 
Doch mit dieser Herablassung war es am nächsten Morgen vorbei, als Le Corbusier und Jeanneret den Salon d'Automne besuchten und Perriands frappierende Metallinstallation "Bar sous le toit" sahen. Charlotte Perriand wurde vom Fleck weg angestellt. Die "Bar sous le toit" [Bar unterm Dach], ein enger anheimelnder Ort mit pastellfarbenen Wänden und mit einem Tresen, Tischen und Barhockern aus glänzend verchromten Stahl und Aluminium, war aus den modernsten Materialien gefertigt (Abb.118).
 
Am eindrucksvollsten ist das prächtigen, von oben erhellte Bad mit einer in den Boden eingelassenen Wanne in der Villa Savoye, das durch einen Vorhang vom Schlafzimmer des Hausherrn getrennt ist (Abb.108, 109). Es ist dekorativ gesäumt mit unterschiedlichen blauen Fliesen, während an einer Seite eine gemauerte wellenförmige Chaiselongue eingepasst ist, mit grauen Fliesen auf der Liegefläche und schwarzen Fliesen an den Seiten. Die Zickzackform und der modische Luxus dieser gefliesten Liege nimmt die Stahlrohr-Chaiselongue vorweg, die damals unter Perriands Leitung in der Entwicklungsphase war; deren Design entstand gleichzeitig mit dem gepolsterten Clubsessel und dem Armlehnstuhl mit beweglicher Rückenlehne. Hier, in der renovierten Galerie des Hauses La Roche, scheinen die drei fertig entwickelten Stahlrohrmöbel zum erstem Mal realisiert photographiert worden zu sein; sie sind um den Marmortisch arrangiert, auf dem wiederum symbolisch ein gastfreundliches Tablett mit Likör, Gläsern und einer Kaffeetasse steht, während die Handschuhe des Architekten lässig an einer Tischkante liegen (Abb.110). Dies war offenkundig eine Werbeaufnahme, die wohl gerade rechtzeitig zum Abdruck in dem 1929 erschienenen ersten Band von Le Corbusiers und Jeannerets gesammelten Werken entstand. Die Sitzobjekte gehörten La Roche damals noch nicht (später kaufte er beide Sessel), und wahrscheinlich wusste er nicht einmal, dass die Photographie gemacht wurden; anscheinend hatte er das Haus Le Corbusier anvertraut. Ein Satz der Stahlrohrmöbel wurde auch für die Villa Church angefertigt, dort photographiert und ähnlich in Oeuvre complète reproduziert: zwei Exemplare des Sessels mit beweglicher Lehne, eine große Variante des gepolsterten Sessels und eine Chaiselongue, alle dafür bestimmt, die Bibliothek auf moderne Weise zu möblieren (Abb.111, 112).
 

 


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